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Keine fristlose Verdachtskündigung ohne ausreichenden Verdachtsgrad ("hohe Wahrscheinlichkeit")



Die nur "hohe Wahrscheinlichkeit" einer Verletzung der Vertragspflichten kann eine fristlose Verdachtskündigung nicht begründen. In dem vom Landesarbeitsgericht Hamm entschiedenen Fall war eine Arbeitnehmerin in den Verdacht geraten, eine Mitarbeiterin gemobbt zu haben. Nachdem das eingeleitete polizeiliche Ermittlungsverfahren eingestellt wurde, beauftragte das Unternehmen selbst einen Schriftsachverständigen mit der Begutachtung eines handschriftlichen Beweisstückes, um die angeschuldigte Arbeitnehmerin zu überführen.

Der Gutachter kam zu dem Ergebnis, es bestehe eine "hohe Wahrscheinlichkeit" dafür, dass die Schrift von der Verdächtigen herrühre. Gleichzeitig wies der Gutachter jedoch darauf hin, es gebe auf der Wahrscheinlichkeitsskala noch die höheren Wahrscheinlichkeiten "mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit" sowie "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit".

Beschluss des LAG Hamm vom 30.08.2016
7 TaBV 45/16
ArbuR 2017, 36