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Berücksichtigung der Elterninteressen bei Volladoption eines Erwachsenen



Nach § 1772 BGB kann die Volladoption eines Erwachsenen dann ausgesprochen werden, wenn er bereits als Kind in der Familie des Adoptionswilligen gelebt hat und sich tatsächlich ein Eltern-Kind-Verhältnis entwickelt hat.

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts Oldenburg war im Fall einer 21-Jährigen, die sich von dem früheren Lebensgefährten ihrer Mutter adoptieren lassen wollte, ein Eltern-Kind-Verhältnis durchaus feststellbar. Allerdings war die Beziehung der Mutter zu dem Mann vorher auseinandergegangen. Die Mutter der jungen Frau war daher nachvollziehbar von den Adoptionsabsichten ihrer Tochter emotional tief betroffen. Bei der Frage, ob eine Volladoption ausgesprochen werden kann, sind - so das Gericht - auch immer die Interessen der Eltern des zu Adoptierenden zu berücksichtigen. Denn zu diesen würden bei einer Volladoption die verwandtschaftlichen Bande vollständig durchschnitten. Im vorliegenden Fall sprach die Interessenabwägung gegen eine Volladoption. Diese war daher nicht möglich. Die an sich mögliche "einfache" Adoption, die sich auf die Herstellung des Abstammungsverhältnisses beschränkt und bei der die alten Familienbande rechtlich bestehen bleiben, war von der jungen Frau jedoch nicht beantragt, wobei unklar blieb, warum sie hierauf verzichtet hatte.

Beschluss des OLG Oldenburg vom 27.03.2016
4 UF 175/16
Pressemitteilung des OLG Oldenburg