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Haftungsverteilung bei "berührungslosem Unfall" von Pkw und Radfahrer



Ein Radfahrer befuhr einen ca. 2 m breiten befestigten Feldweg. Als ihm verkehrswidrig ein Autofahrer entgegenkam, wich der Radler auf den unbefestigten und zum Unfallzeitpunkt matschigen Seitenstreifen nach rechts aus, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Die beiden Verkehrsteilnehmer fuhren sodann berührungslos aneinander vorbei. Beim Versuch, unmittelbar nach dem Passieren wieder auf den befestigten Weg aufzufahren, stürzte der Radfahrer und zog sich erhebliche Verletzungen zu.

Das Oberlandesgericht Frankfurt verurteilte den Autofahrer zum Ersatz der entstandenen Heilbehandlungskosten sowie der Fahrradreparatur und zu einer Schmerzensgeldzahlung in Höhe von mindestens 10.000 Euro. Obwohl es sich um einen "berührungslosen Unfall" handelte, war der Sturz des Radfahrers beim Betrieb des von dem Autofahrer gesteuerten Fahrzeugs entstanden und diesem daher zuzurechnen. Der Sturz erfolgte auch in nahem zeitlichem und örtlichem Zusammenhang mit dem verkehrswidrigen Entgegenkommen des Pkws. Der Radfahrer musste sich jedoch ein hälftiges Mitverschulden anrechnen lassen. Er hätte anhalten und das Auto passieren lassen oder vor Wiederauffahren auf den Radweg vorsichtiger sein können.

Urteil des OLG Frankfurt vom 19.03.2019
16 U 57/18
NJW-RR 2019, 601